Wie lange dauert es, ein Tierportrait zu zeichnen

Wie lange ich dafür brauche, ein voll ausgearbeitetes Tierportrait zu zeichnen, ist die Frage Nr. 2 (gleich nach der Frage nach dem Preis). Daher möchte ich hier meine Gedanken und Erfahrungen zur Zeitdauer des Zeichnens wiedergeben. Und ganz unten meine Überlegungen zum Thema „Geduld und Qualität“.

Zu allererst: Die tatsächliche Zeitdauer, bis ich eine Zeichnung ablieferbereit fertig habe, hängt nicht nur mit der Zeitdauer des eigentlichen Zeichnens zusammen. Sondern viel mehr damit, wieviele Aufträge ich in Auftrag habe, an welcher Stelle der Warteschlange der Auftrag steht und wieviel Zeit mir mein zweiter Beruf (Mineralienschleiferin und -händlerin) lässt. Normalerweise zeichne ich nur in der Woche und bin am Wochenende auf diversen Mineralienmessen.

Die Qualität der fertigen Zeichnung hängt maßgeblich von der Qualität des Vorlagenfotos ab – und die Zeitdauer ebenfalls. Wenn die Vorlagenqualität schlecht ist, muss ich sehr viel „dazu erfinden“ und das dauert. Denn dann muss ich Referenzfotos ähnlicher Tiere heraussuchen und versuchen, es so realistisch wie möglich hinzubekommen. Wenn die Qualität des Fotos gut ist, kann ich mich dagegen ganz auf das Zeichnen konzentrieren. Außerdem macht es mehr Spaß, eine Zeichnung nach einer guten Vorlage zu zeichnen, denn dann wird die Zeichnung schöner und ich liefere gerne gute Arbeit ab.

Tierportraits in Din A3 (30 x 40 cm)

In Farbe

Da Din A3 das größte Format ist, das ich standardmäßig anbiete, möchte ich damit anfangen.

Für ein Din A3-Tierportrait, das voll ausgearbeitet und farbig ist, brauche ich mindestens 8 Stunden. Aber dies nur bei absolut optimaler Voraussetzung (Motiv nicht zu detailliert, Hund hat die Schnauze geschlossen (Zähne sind schwierig zu zeichnen und Zunge und Lefzen auch) …) und guter Vorlage. Und die 8 Stunden sind dann auch reine Zeichenzeit, wobei ich ganz ehrlich sagen muss, dass ich nach 2 Stunden konzentriertem Zeichnen normalerweise erst einmal eine Pause brauche. Ansonsten werde ich zu fahrig und unkonzentriert, denn geistig ist Zeichnen Höchstarbeit.
Meistens brauche ich für eine farbige Din A3-Zeichnung ca. 12 – 20 Stunden, je nach Komplexität der Vorlage.

In Bleistift

Bei Bleistiftzeichnungen sieht das etwas anders aus, da brauche ich ca. 8 – 14 Stunden, je nach Vorlage. Denn bei einer Bleistiftzeichnung muss ich „nur“ die einzelnen Tonwerte, aber nicht auch noch die einzelnen Farbwerte berücksichtigen. Und ich brauche dafür nur ca. 4 Stifte und keine 20 verschiedenen 🙂 Und ich muss bei Bleistiftzeichnungen auch keine Farbtöne mischen, die es leider nicht in der Palette gibt.

Mit mehreren Tieren

Ein Doppel- oder Dreifachportrait gleicher Größe dauert etwas länger, da ich wesentlich vorsichtiger arbeiten muss. Würde ich beispielsweise einen Fehler beim zweiten oder dritten Portrait machen, würde dies das gesamte Bild ruinieren. Daher ist höchste Aufmerksamkeit und viel Geduld gefordert. Bei einem Dreierportrait brauche ich da ruhig schon einmal 25 oder mehr Stunden für die Größe Din A3.

Tierportraits in Din A4 (20 x 30 cm)

Din A4-Zeichnungen gehen natürlich deutlich schneller, da sie nur ca. halb so groß sind, wie Din A3-Zeichnungen.

In Farbe

Farbig, also mit Pastellkreiden oder Farbstiften gezeichnet, braucht eine Din A4-Zeichnung bei mir ca. 5 – 10 Stunden, je nach Motiv. Manchmal geht es auch schneller, bei absolut optimaler Vorlage und einfachen Farben, zum Beispiel bei einem schwarzen oder weißen Hund, bei dem ich keine Farbtöne mischen muss. Dann kann ich eine Zeichnung auch einmal in nur 3 Stunden schaffen, dies ist jedoch die Ausnahme.

In Bleistift

In Bleistift geht Din A4 natürlich noch schneller. Meistens brauche ich da irgendetwas zwischen 3 und 6 Stunden. Bei Bleistiftzeichnungen bearbeite ich meistens auch den Hintergrund mit, da helle Tiere sich sonst vom Papier kaum abheben.

Tierportraits in der Größe Din A5 (15 x 21 cm)

In dieser kleinen Größe spielt es kaum eine Rolle, ob in Farbstiften oder in Bleistift gezeichnet wird. Normalerweise brauche ich da ca. 2 – 3 Stunden für. In Pastell sieht dies jedoch ganz anders aus, da Pastell für diese winzigen Abmessungen einfach ungeeignet ist und es dann eine schreckliche Konzentrationsarbeit wird. Daher zeichne ich mit Pastellkreiden nicht mehr in so kleinem Format.

Der Geduldsfaktor und sein Einfluss auf die Qualität

Meiner Meinung nach gibt es drei maßgebliche Einflussfaktoren auf die Qualität einer Zeichnung:

– Können
– Material
– und Geduld

Alle drei Faktoren müssen zusammentreffen, um aus einer Zeichnung eine gute oder hervorragende Zeichnung zu machen. Ohne Können hilft auf das beste Material und die meiste Geduld nichts. Mit schlechtem Material verblasst die Zeichnung schneller und wird nicht die Farbbrillianz haben. Und ohne Geduld ist sie nur wischiwaschi und hat keinen Ausdruck.
Bei vielen talentierten Künstler/innen sieht man das Problem mit der fehlenden Geduld. Natürlich könnte ich auch ein Tierportrait in Farbstiften auf Din A3 in einer oder zwei Stunden zeichnen. Aber dementsprechend sähe es dann auch aus. Das Papier würde durchscheinen, die Farben wären nur ungefähr getroffen … Sobald es in die naturalistische Darstellungsweise geht, ist der Gedulds- und Zeitfaktor absolut elementar.
Und Geduld bedeutet dabei auch, aufzuhören, wenn die Konzentration nachlässt und lieber am nächsten Tag frisch weiter zu machen. Auch wenn sich die Fertigstellung der Zeichnung dann noch einmal um einen halben Tag verzögert und vielleicht eine Kundin schon drängelt.

Eure Meinung dazu

Mich würde eure Meinung dazu interessieren! Wie lange braucht ihr für eure (vollausgearbeiteten) Zeichnungen? Mit welchen Materialien seid ihr schneller, mit welchen nicht so schnell?
Ich freue mich auf Kommentare von euch 🙂 und ein Like oder Share, wenn euch dieser Artikel gefällt, wäre auch höchst willkommen!