Was du für das perfekte Tierportrait über Vorlagenfotos wissen solltest

Du wünschst dir eine exzellente, brillante Zeichnung deines Tieres. Das perfekte Tierportrait. Die Schnurrhaare sollen so makellos perfekt gezeichnet sein wie die Wimpern und die Fellzeichnung.

Oder du willst selbst makellose Tierportraits zeichnen. Den Betrachter/innen sollen die Augen übergehen. Sie sollen maßlos erstaunt vor deinen Bildern stehen.

Beides ist machbar! Aber beides hängt im größten Maße von der Vorlage ab!

Im Folgenden beschreibe ich kurz die Problematik schlechter Vorlagenbilder. Danach erläutere ich die 5 wichtigsten Gründe für gute Vorlagenfotos.

Noch weiter unten findest du eine Bilderfolge. Dort werden die Unterschiede von guten und schlechten Vorlagenfotos an Beispielbildern deutlich gemacht.

Und im Fazit findest du noch einmal eine Checkliste! Passt dein Vorlagenfoto? Oder geht es noch zu optimieren?

Rhodesian Ridgeback Tierportrait

 

Vorlagenfotos brauchen Details

Wir zeichnen alle nur, was wir sehen. Ob wir es in unserem Kopf sehen oder ganz real: Die fertige Tierzeichnung entsteht aus dem Gesehenen.

Bei einem Auftrag zeichne ich, was ich auf dem Vorlagenfoto sehe. Immer. Das heißt: Hat die Vorlage keine Details, hat die fertige Zeichnung keine Details. So einfach ist das.

Je detailreicher und schärfer eine Vorlage ist, desto detailreicher und schärfer wird das fertige Tierportrait. Ein Tierportrait, vor dem die Leute staunend stehen bleiben. Eines, was im Gedächtnis bleibt.

Die Details machen ein Lebewesen unverwechselbar. Zeigt die Vorlage keine Details, dann zeigt das fertige Portrait nur „irgendein“ Tier und nicht DEIN Tier.

Ein detailreiches, gutes Vorlagenfoto ist wichtig, denn: Ich kenne dein Tier nicht! Ich muss mich auf das Foto verlassen können. Zeigt das Foto dein Tier nicht exakt, dann kann das fertige Tierportrait dein Tier auch nicht zeigen.

Handyfotos sind zu klein!

Ist das Vorlagenfoto zu klein oder unscharf, wird die Zeichnung im besten Falle detailarm. Im schlechtesten Falle wird sie schlecht.

Ein Handyfoto ist zu 97 % absolut unbrauchbar! Es mag eine nette Erinnerung sein – ein Vorlagenbild sollte es nicht sein! Handyfotos sind zu klein, zu verpixelt und zu unscharf. Die Kontraste stimmen nicht und die Farben meist auch nicht.

Ich bekomme sehr oft Handyfotos als Vorlagenfotos. Und meine Kunden und Kundinnen möchten A3-Bilder gezeichnet haben. Von einem Foto, das unvergrößert kaum die Größe einer Zigarettenschachtel hat!

Wenn ich es entsprechend vergrößere, erkennt man kein einziges Detail mehr. Woher soll ich die Details nehmen? Natürlich kann ich einmal ein Auge ergänzen. Ich habe oft genug Hunde-, Katzen- oder Pferdeaugen gezeichnet.

Aber DEIN Hund (deine Katze …) ist nun einmal unverwechselbar. Muss ich zu viel improvisieren, dann ist von DEINEM Tier nicht mehr viel übrig.

Was ist mit den übrigen 3% der Handyfotos?

Die übrigen 3% der Handyfotos sind bildfüllende Portraits, die ich in Din A5 (nicht größer!!) zeichnen soll. Ein exzellentes, scharfes Handyfoto kann für eine Din A5-Zeichnung Vorlage sein. Aber schon für Din A4 ist es zu klein!

Wenn du keine Digitalkamera hast, dann leihe dir eine. Wenn du selbst zeichnest und eigene Vorlagen verwenden möchtest: Kauf dir eine! Notfalls eine Gebrauchte, die schon ein paar Jahre alt ist.

Jedes Digitalkamera-Foto ist besser, als ein Handyfoto. Die fehlende Größe macht Handyfotos als Vorlagen nutzlos.

Die 5 wichtigsten Gründe für ein gutes Vorlagenfoto

1. Nur was zu sehen ist, kann gezeichnet werden!

Was auf dem Vorlagenfoto nicht zu sehen ist, kann nicht gezeichnet werden. Eigentlich logisch, wird jedoch von vielen übersehen. Du kennst dein Tier ja. Aber ich habe keine Ahnung davon, wie es „eigentlich aussieht“. Das Vorlagenfoto muss alles zeigen!

2. Details machen ein Tierportrait lebendig

Details beleben ein Bild. Details sind wichtig. Je detailreicher ein Vorlagenfoto ist, desto detailreicher – und lebendiger – ist das Tierportrait.

3. Ein Tierportrait nach einer guten Vorlage zu zeichnen, ist einfacher.

Nicht nur für die Künstler/innen unter euch interessant: Je klarer und schärfer die Vorlage ist, desto einfacher ist es, das Tierportrait zu zeichnen. Das heißt auch, dass ich für ein Portrait bei schlechtem Vorlagenfoto länger brauche.

4. Eine schöne Tierzeichnung braucht eine schöne Vorlage

Ist das Tier auf der Vorlage ansprechend fotografiert und guckt entspannt oder freudig – dann wird auch die Tierzeichnung schön werden. Ansprechend und bereichernd.
Lass das Tier entspannt in die Kamera blicken. Sorge dafür, dass es nicht gestresst ist. Ein aufmerksam blickendes Tier ist ein schönes Tier! Lege dir notfalls etwas Fressbares auf die Kamera! Das garantiert dir Blicke 😉

5. Ein eindrucksvolles Tierportrait ist ein Hingucker.

Kaum jemand wird hingegen von einem verschwommenen oder unscharfen Tierportrait begeistert sein. Du bestimmt auch nicht. Ist das Vorlagenfoto verschwommen, wird es die Zeichnung stellenweise zwangsweise auch werden.

Ein bisschen Mühe mit dem Vorlagenfoto bringt wesentlich bessere Resultate!

Gute versus schlechte Vorlagenfotos: ein paar Beispiele

Fangen wir zuerst mit ein paar wunderschönen Vorlagenfotos an. Vorlagenfotos, die für ein gezeichnetes Tierportrait nur zu geeignet wären:

Bild 1: Becca

Dieses Foto hat alles, was eine Vorlage braucht. Es besticht durch Farbbrillanz und Schärfe, die Details sind deutlich sichtbar. Natürlich ist dieses Foto für den Blogartikel verkleinert – an seiner Schärfe und Schönheit hat es dadurch nichts verloren.

Becca guckt aufmerksam und gleichzeitig entspannt. Sie ist mit sich und der Situation im Reinen und überträgt dies auf ihren Blick.

Das Foto wurde ungefähr aus ihrer Augenhöhe aufgenommen. Und es war ausreichend Abstand zwischen Hündin und Kamera. Dadurch wirkt die Aufnahme nicht verzerrt (ein Gegenbeispiel weiter unten).

Rhodesian Ridgeback Foto

Bild 2: Eugenie

Die Hündin guckt auf diesem Foto nicht in die Kamera. Trotzdem ist ihr Blick aufmerksam. Ihr schwarzes Fell weist viele Lichtreflexe auf.

Das Foto ist scharf und wurde ungefähr von Eugenies Augenhöhe aus geschossen. Sie war ein sehr kleiner Hund – ich muss mich dafür hinknien und die Kamera tief halten.

Die Kontrastreiche des Bildes unterstreicht die Brillanz der Lichtreflexe auf der Nase und in den Augen. Die gewisse Steife ihrer Haltung unterstreicht ihren Charakter.

Die Hündin war damals am Erblinden. Die ist an der Blaufärbung der Augen zu sehen. Dies könnte bei einer Zeichnung problemlos wegretuschiert werden!

Foto von einem schwarzen Hund

Bild 3: Schäferhund

Dieses Bild ist leicht unscharf und trotzdem geeignet! Die Unschärfe ist so leicht, dass sie die Details nicht undeutlich macht. Alle Details sind noch zu erkennen.

Der Hund blickt aufmerksam und gelassen in die Kamera – ein Idealfall! Kontrast und Farbbrillanz stimmen und zusammen ergibt sich ein perfektes Vorlagenfoto.

Natürlich setze ich dabei die Originalgröße des Bildes voraus – für den Blog sind alle Fotos verkleinert!

Foto von einem Schaeferhund

 

Kommen wir nun zu den ungeeigneten oder nur mäßig geeigneten Bildern. Leider gehören die meisten Vorlagenfotos, die mir zugeschickt werden, in diese Kategorie.

Bild 4: Binga

Das Foto scheint auf dem ersten Blick optimal. Die Schärfe stimmt, Binga guckt intensiv in die Kamera und ihre Ohren sind aufmerksam aufgestellt.

Doch sie war zu dicht vor der Kamera. Ihre Schnauze und insbesondere ihre Nase werden zu groß dargestellt. Die Ohren wirken viel zu klein im Verhältnis zur Nase.

Dieses Foto könnte als Vorlagenfoto dienen. Es würde auch eine schöne Zeichnung ergeben. Aber die Verzerrung wäre deutlich sichtbar.

Foto von einem Mischling

Bild 5: Dexter

Auf diesem Foto passt fast gar nichts. Dexter guckt zwar in die Kamera, aber nicht mit seinem „typischen“ Blick. Er wirkt auf dem Foto nervös und angespannt.

Das Foto ist unscharf. Und zu allem Übel ist der Rüde auch noch zu dicht an der Kamera gewesen – es ist auch noch verzerrt.

Was auf dem ersten Blick wie ein passables Vorlagenfoto aussieht, kann bei näherem Hinsehen also ungeeignet sein.

Foto von einem Labrador

Bild 6: Tessa

Dieses Foto ist wunderschön scharf, mit tollen Kontrasten und hinreißenden Farben. Nur leider so schlecht von schräg oben fotografiert, dass Tessa kaum herauskommt.

Das ganze Wesen dieses Hundes wird bei diesem Foto übergangen. Für eine Zeichnung wäre es vollkommen ungeeignet. Auch wenn es als Schnappschuss durchaus seinen Reiz hat!

Foto einer Schaeferhuendin

Bild 7: Nele

Die Unschärfe, die dieses Foto ungeeignet macht, siehst du ja sofort. Die Kamera war auf den Hintergrund eingestellt. Nele selbst wurde gar nicht fokussiert.

Ansonsten hätte es ein reizvolles Foto werden können! Nele guckt aufmerksam. Und sie wurde aus Augenhöhe fotografiert.
Die Unschärfe ruiniert jedoch alles. Details sind so kaum zu zeichnen.

Tierportrait einer Schnauzerhuendin

Bild 8: Becca

Wieder guckt Becca bezaubernd in die Kamera. Doch das Foto weist mehrere Mängel auf.

Das ganze Foto ist überbelichtet. Becca ist viel zu klein. Als Portraitvorlage ein No-Go! Details sind nicht zu erkennen und diese Vorlage wäre nicht einmal für eine Din A5-Zeichnung geeignet.

Ein Rhodesian Ridgeback

Bild 9: Becca

Noch einmal Becca. Diesmal im Dämmrigen fotografiert. Das Foto ist als Vorlage denkbar ungeeignet.

Beccas Gesicht ist viel zu klein. Die nahende Dämmerung verwischt die Farben. Das Foto hat kaum Kontraste und ist insgesamt zu dunkel.

Noch dazu ist es leicht unscharf – Details sind keine zu erkennen! Und zu allem Überfluss wurde Becca auch noch von leicht oben fotografiert. Dies verzerrt auch noch die Ansicht.

Foto von einem Rhodesian Ridgeback

Fazit

Du möchtest ein wirklich schönes Tierportrait? Zeichnen oder zeichnen lassen? Dann investier ein wenig Zeit und Mühe in ein wunderschönes Vorlagenfoto. Je schöner das Vorlagenfoto ist, desto schöner wird die fertige Tierzeichnung werden!

Ein Schnappschuss ist meist kein geeignetes Vorlagenfoto. Handyfotos sind dies zu ca. 97% auch nicht!

Jetzt geh einmal in Ruhe deine Fotos durch. Lass dir dabei folgende Fragen durch den Kopf gehen:

– Ist das Tier aus seiner Augenhöhe heraus fotografier worden?
– Ist das Tier scharf abgebildet?
– Sind Details sichtbar?
– Ist das Foto groß genug? (Als grober Richtwert: Alles über 1600 px pro langer Bildseite ist okay. Vorausgesetzt, das Tier wird scharf und bildfüllend dargestellt. Ab ca. 3500 px pro Bildseite fangen exzellente Vorlagen an.)
– Ist das Tier auf dem Foto groß genug?
– Stimmt die Beleuchtung?
– Sind die Farben naturalistisch?

Wenn du auf alle Fragen mit „ja“ antworten kannst: Glückwunsch, du hast das perfekte Vorlagenfoto!

Wenn nicht, dann überlege dir gründlich, ob du nicht lieber ein neues Foto schießt. Eines, was perfekt geeignet ist. Eines, was keine Kompromisse braucht.

Wenn dein Tier bereits verstorben ist, geht dies natürlich nicht mehr. Dann muss es ein schlechteres Foto auch tun. Ist es aber noch am Leben, dann gibt es keinen Grund für eine schlechte Vorlage!

In diesem Sinne: Frohes Schauen 🙂 Und wie immer freue ich mich über Kommentare, Likes & Shares! 🙂

3 Gedanken zu „Was du für das perfekte Tierportrait über Vorlagenfotos wissen solltest“

  1. Ein toller Blog, und super was du machst!
    Ganz wunderbar erklärt was wie und warum, das finde ich richtig klasse.
    Danke dir für die Arbeit die du dir da machst, um alles zu zeigen und zu erläutern.

    1. Vielen Dank, Andrea! Es freut mich, dass dir mein Blog gefällt. Insbesondere, da du ja auch Künstlerin bist!
      Wenn du Vorschläge oder Wünsche zu weiteren Blogartikeln hast, nehme ich sie sehr gerne an 🙂 Ich möchte ja für euch (insbesondere andere Tierzeichner/innen, die vielleicht noch nicht so weit sind) schreiben und freue mich daher über Wünsche!
      Schöne Grüße,
      Jenny

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