Meine Zeichentechniken – Teil II: Pastellkreiden

Willkommen im zweiten Abschnitt zu „Meine Zeichentechniken“, in Teil I habe ich Farbstiftzeichnungen und Bleistiftzeichnungen besprochen. Gehen wir also weiter im Text!

Pastellzeichnungen

Bis vor kurzem habe ich noch Pastellkreiden-Zeichnungen als Kundenaufträge angeboten, doch das mache ich jetzt nicht mehr. Der Grund liegt nicht dadrin, dass ich Pastellzeichnungen nicht mögen würde – im Gegenteil, sie machen mir großen Spaß. Nur als Kundenauftrag machen sie das nicht, denn da geht es um Exaktheit und genaueste Wiedergabe und trotz Übung kam ich bei den Pastellzeichnungen nie in dieses Gefühl des „Das fällt mir leicht.“ hinein. Die fertigen Pastellzeichnungen sehen zwar gut aus, aber sie haben mir größtenteils keinen Spaß beim Zeichnen gemacht. Daher werde ich diese wunderschöne Technik nur noch für freie Arbeiten verwenden, in denen es egal ist, ob ein Haar falsch liegt oder ein Auge nicht genau genug gezeichnet ist.

Pastellkreidenzeichnung einer schwarzen Katze
Auf wuscheligem Velour-Papier gezeichnete Pastellzeichnung einer Katze

Pastellzeichnungen lassen sich, anders als Farbstiftzeichnungen, wesentlich schneller anfertigen, da die Farbe großflächiger aufgetragen werden kann und danach die Feinheiten eingezeichnet werden können. Jedoch werden die Feinheiten und Details nie so genau wie beispielsweise mit Farbstiften. Selbst dann nicht, wenn Pastellstifte für sie eingesetzt werden. Bei glattem Papier geht dies einigermaßen, denn die Stifte können natürlich angespitzt werden und dann auch für Details verwendet werden, doch auf glattem Papier haften Pastellpigmente wesentlich schlechter, als auf rauem Papier. Und auf rauem Papier wiederum werden die Linien immer etwas breiter und ungenauer sein, als mit Farb- oder Bleistiften.

Zeichnen auf Velour-Pastellpapier

Am schönsten zeichnet es sich auf dem extra für Pastellzeichnungen hergestelltem Velour-Papier. Es hat eine leicht samtartig anmutende, wuschelige Oberfläche, die die Pigmente optimal bindet und ein rasches, sauberes Arbeiten ermöglicht. Nachteil daran ist jedoch, dass es keinerlei Fehler verzeiht. Einmal verzeichnen und die Arbeit ist gelaufen, wenn man diesen Patzer nicht mehr überzeichnen kann. Radieren ist unmöglich, eine Vorzeichnung daher auch nur bedingt möglich bzw. nur mit einem Trick (den ich weiter unten erläutere) und es verfängt sich schnell Staub und Schmutz (zB. auch herumfliegende Katzenhaare) auf dem Papier, der dann mit einer Pinzette entfernt werden muss … Für auf andere Bildteile geflogener Pastellstaub empfiehlt sich die Entfernung durch ein Knetradiergummi. Auf keinen Fall mit einem normalen Radierer über das Papier rubbeln! Das zerstört die Papierstruktur, biegt die winzigen „Haare“ um und ist auch nach dem Darüberzeichnen noch zu sehen. Und es entfernt eh nicht, was es entfernen sollte.

Optimal ist eine Pastellzeichnung, vor allem auf dem Velour-Papier, für wuscheliges Fell und damit für Tiere im Winterfell oder langhaarige Tiere.

Pferd im Winterfell, Pastellzeichnung
Pony im Winterfell, Pastellstifte und weiche Pastellkreiden auf Velour-Papier

Aber auch Sommerfell und kurzhaarige Tiere können damit gut dargestellt werden, wobei die Wuscheligkeit des Papiers da nicht so in den Vordergrund tritt.

Schecke, gezeichnet mit Pastellkreiden
Der Schecke wurde mit Pastellstiften auf Velour-Papier gezeichnet

Das Schönste an den Pastellkreidenzeichnungen ist, dass Höhen und Tiefen sehr plastisch erscheinen und die Tierportraits daher sehr lebendig wirken.

Eine Vorzeichnung auf Velour-Papier

Da das Radieren – wie oben schon angemerkt – auf Velour-Papier nicht funktioniert, ist es sehr schwer, eine brauchbare, genaue Vorzeichnung anzufertigen. Entweder bleibt nur das absolut exakte Arbeiten oder ein Trick.
Ich habe für diese Zwecke ein gutes Pauspapier und zeichne die Vorzeichnung auf einem separaten Papierbogen. Das muss dann natürlich auch kein gutes Papier sein, Schmierpapier reicht dicke dafür aus. Schließlich bekommt niemand jemals diese Vorzeichnung zu Gesicht 😉
Wenn die Vorzeichnung passt, dann pause ich sie genau auf das Pauspapier ab, drehe den Bogen um und fahre die Linien auf der Rückseite mit einem farblich deutlich zu der gewählten späteren Hintergrundfarbe kontrastrierenden Pastellstift nach. Wenn der Velour-Hintergrund zum Beispiel schwarz ist, würde ich einen weißen Stift verwenden, um die Linien nachzufahren.
Dann lege ich – richtig herum, so dass die Pastelllinien direkt auf dem Hintergrund zu liegen kommen – das Pauspapier auf das Velourpapier und fahre mit einem stumpfen Stift die Linien nach und drücke sie so auf das Velourpapier. Teilweise sind sie nicht einmal farblich zu sehen, sondern nur durch den Druck leicht eingedrückt. Daher fahre ich sie nach dem Abpausen sofort noch einmal mit einem passenden Pastellstift nach.
Und bei allem arbeite ich absolut vorsichtig, damit nirgends ein Strich landet, der da nicht hingehört und den ich nicht wieder wegbekäme …
Auf die Art und Weise kann man sich mit der Vorzeichnung alle Zeit der Welt lassen und so viel herumradieren, wie man möchte, da sie ja erst im „perfekten“ Zustand auf das Velour-Papier übertragen wird.

Pastellkreiden oder Pastellstifte

Ich verwende normalerweise weiche Pastellkreiden auf Velour-Papier, harte auf normalen Papier und die Pastellstifte jeweils nur zum Feinheiten einzeichnen. Dabei ist zu beachten, dass sie für Velour-Papier meist eine Stufe zu hart sind und ihr aufpassen müsst, das Papier nicht zu beschädigen.

Teil III von „Meine Zeichentechniken“

Teil III dieser Serie wird ein paar andere Techniken abhandeln, die ich sonst noch so verwende, auch wenn ich sie selten für Tierportraits gebrauche.