Die eigene Vorlagensammlung – ein Inspirationspool

Die meisten Künstler und Künstlerinnen werden das Gefühl kennen: Hochmotiviert möchte man etwas zeichnen oder malen, aber hat absolut keine Idee, was das sein könnte. Oder ihr fühlt euch einfach demotiviert und unzufrieden und habt keine zündende Idee, um wieder kreativ zu werden.
Es gibt ein paar Tricks, wie ihr diese Zustände ganz einfach vermeiden könnt. Einer davon ist, einfach die eigene Ideen- und Vorlagensammlung durchzuschauen, euch inspirieren zu lassen oder auch einfach nur die Schönheit der Bilder zu genießen. Ein Motivationsschub ist zwar nicht garantiert, aber sehr wahrscheinlich und die Blockade verschwindet angesichts so viel Schönheit.

Ich werde hier als Bildquellen für eine eigene Vorlagensammlung auf
– eigene Fotos
– Bücher und Zeitschriften

– Bilder von Freunden und Bekannten
– sowie Bilderdatenbanken aus dem Internet
eingehen. Ich denke, dass das die momentan wichtigsten Bildquellen auflistet.

Wozu überhaupt Vorlagen sammeln

Selbst wenn ihr niemals nach einem Foto oder einer anderen Vorlage zeichnet oder malt, ist eine eigene Vorlagensammlung von unschätzbaren Wert. Wenn euch mal wieder kein Thema einfällt, dann könnt ihr einfach in euren Vorlagen herumwühlen. Vielleicht findet ihr Inspiration zu einem Motiv, vielleicht gefällt euch ein Detail, dass euch zu neuen Wegen bringt. Vielleicht werdet ihr aber auch einfach nur von einem Thema angezogen und macht letztendlich etwas ganz anderes, als euch die Vorlagen vorschlagen. So oder so: Ihr beschäftigt euch konstruktiv mit eurer Kunst und nicht damit, dass euch gerade nichts einfällt. Selbst wenn ihr dann kein einziges Bild zeichnet oder malt: In Gedanken habt ihr alle Bildidee, die ihr dann doch verworfen habt, schon durchgespielt. Selbst das übt!
Denn ihr übt damit die Vorstellung, wie ein Bild in eurem Medium umgesetzt aussehen würde. Und ob euch das gefallen würde oder nicht. Oder ihr kombiniert in Gedanken verschiedene Bilder miteinander und lernt dabei ganz nebenbei, spielerisch und ohne es zu merken, über geeignete und ungeeignete Kompositionen.
Da das unbewusst geschieht, werdet ihr gar nicht merken, wie ihr damit eure Zeichenfertigkeiten steigert. Und ganz sicher ist der Fortschritt nicht ansatzweise so hoch, als wenn ihr tatsächlich alle durchdachten Motive zeichnen würdet. Dennoch ist er nicht zu verleugnen – und auf die Art und Weise könnt ihr euch eine „Mir fällt gerade gar nichts ein“-Phase noch zu nutze machen.

Eine eigene Vorlagensammlung aufbauen (nicht nur für Tierportraits)

Eigene Fotos

Es gibt einen ganz einfach Weg, euch eine eigene Vorlagensammlung aufzubauen: Fangt mit dem Fotografieren an! Wenn ihr es bereit tut, dann vertieft es. Gönnt euch mindestens zwei Stunden die Woche, um gezielt nach inspirierenden Motiven zu suchen. Vielleicht inspiriert euch eine Efeu-Ranke auf einer alten Mauer oder ein Schloss, eine Burg, eine Blume im Schnee …
Ich fotografier fast alles und habe ca. 50 000 Fotos, nach Datum geordnet, alle Unterordner beschriftet.
Ein Auszug aus dem Unterordner für 2011:

Auszug aus meiner Fotodatenbank

Beachtet von Anfang an eine angemessene Sortierung, ansonsten habt ihr irgendwann einen enormen Arbeitsaufwand vor euch, wenn ihr mehrere tausend Fotos habt und keinerlei Sortierung. Am besten sortiert ihr die Ordner nach Datum und benennt sie sofort.
Alternativ könnt ihr sie auch nach Themengebieten sortieren, am besten in den Themengebieten dann wieder in datierten Unterordnern, ansonsten wird es schnell sehr chaotisch.
Wie oben erwähnt, sortiere ich alle meine Fotos strikt nach Datum. Ich trenne jedoch meine eigene Fotodatenbank und meine Vorlagensammlung. In meiner Vorlagensammlung ist alles nach Thema sortiert. Ich kopiere meine Fotos aus der Fotodatenbank heraus und füge sie in die Vorlagensammlung ein. Brauche ich später einmal das genaue Datum, zu dem das Bild entstand, brauche ich nur nach dem Bildernamen zu suchen und die Suche spuckt mir den Ursprungsordner aus.

Jedoch habe ich nur Tierbilder in meiner Vorlagensammlung. Alle anderen Bilder „muss“ ich mir bei Bedarf aus meiner Fotodatenbank heraussuchen 😉 Allerdings weiß ich meist ungefähr Jahreszeit und Jahr des Fotos, so geht dies relativ schnell.

Digitalkameras sind inzwischen günstig und ihr braucht kein neues Modell. Wenn es euch nur um Inspiration geht, spielt die Qualität der Fotos keine große Rolle. Wenn ihr die Fotos nachzeichnen wollt, sollte die Pixelanzahl besser sein, aber selbst dafür reicht fast jedes normale Kompaktmodell und sie muss nicht teuer sein.

Am besten fotografiert ihr am Anfang so viel wie möglich. Mit der Zeit werdet ihr von einigen Motiven dann hunderte Bilder haben und vielleicht merken, dass ihr sie nie nutzt. Dann könnt ihr sie entweder einfach löschen oder auf verschiedenen Bilderplattformen (dazu kommen wir weiter unten) anderen Künstlern kostenlos zur Nutzung anbieten. Was euch nicht interessiert oder wodraus ihr nie ein Bild machen wollt, kann für andere von höchstem Interesse sein.

Bücher und Zeitschriften

Auch in Büchern und Zeitschriften können großartige Vorlagen gefunden werden. Beachtet dabei aber bitte das Urheberrecht! Das heißt konkret: Ihr dürft euch von dem Kunstwerk (auch ein Foto ist ein Kunstwerk!) eines anderen Künstlers/ einer anderen Künstlerin zwar inspirieren lassen, aber ihr dürft die Idee nicht „klauen“. Also könnt ihr beispielsweise die Idee eines Mondaufgangs hinter einer Schlossruine übernehmen – mit einer anderen Ruine etc. – aber ihr dürft das Bild, das euch so gut gefällt, nicht abzeichnen oder unverändert bzw. deutlich zu erkennen auch nicht abmalen.
Etwas anderes ist es natürlich, wenn ihr den/die Urheber/in um Erlaubnis gefragt habt. Die meisten Fotografen und Fotografinnen fühlen sich von solchen Anfragen sehr geschmeichelt und erlauben es gerne. Viele finden es auch schön oder okay, wenn ihr diese Bilder dann veröffentlicht (natürlich mit Nennung der Quelle des Vorlagenbildes). Für eine Veröffentlichung braucht ihr aber UNBEDINGT die Erlaubnis (am besten schriftlich) des/der Urheber/in. Ansonsten macht ihr euch strafbar.

Bilder von FreundInnen und Verwandten

Ein einfacher und logischer Weg, an neue Fotos als Vorlagen heranzukommen, besteht darin, eure Verwandten und Bekannten zu fragen. Inzwischen haben die meisten Leute heutzutage eine eigene Digitalkamera und viele fotografieren gern und viel. Natürlich sind die meisten Fotos nicht als Vorlagen geeignet. Aber wenn ihr zum Beispiel wisst, dass eure jüngere Schwester gerade auf Sightseeing in Griechenland war oder eine Kristallhöhle in Brasilien besucht hat oder euer Bruder, der Mitglied im Schäferhundverein ist, tausend Hundefotos auf seinem Rechner hat, dann fragt gezielt an. Am besten sagt ihr dazu, in welcher Qualität und Größe ihr sie braucht – und wenn sie kleiner oder schlechter sind, dann lehnt ab. Ihr braucht euch nicht mit schlechten Vorlagenfotos herumzuärgern, denn es gibt dazu einfach zu gute Alternativen.

Sehr hilfreich sind diesbezüglich auch Anfragen an Facebook-Freunde. Am besten gezielt zu einem Thema.
„Hey, ich suche Vorlagenfotos mit Burgruinen. Hat jemand von euch welche da, die ich nutzen dürfte, um sie abzumalen?“
Meist wird man fündig und wird das fertige Bild dann später in Facebook online gestellt, macht man den/die Bilderurheber/in meist sehr stolz und glücklich.

Fotos aus Bilderdatenbanken

Es gibt inzwischen einige sehr gute Bilderdatenbanken. Viele davon sind kostenlos und verlangen lediglich eine Quellenangabe. Einige Fotos sind sogar komplett lizenzfrei und kostenlos nutzbar, ohne Quellenangabe etc. Davon findet ihr zum Beispiel auf Wikimedia Commons einige. Jedoch müsst ihr in dieser Datenbank vorsichtig sein: Die meisten dort veröffentlichten Fotos verlangen eine Quellenangabe, wenn ihr sie nutzt und euer fertiges Bild dann veröffentlichen wollt. Einige sind komplett frei, doch das müsst ihr bei jedem Bild einzeln nachlesen.

Eine sehr gute Bilder- und Inspirationsquelle ist deviantart.
Dort bekommt ihr nicht nur schier endlos viele Vorlagenfotos, sondern könnt euch auch ansehen, was andere Künstler/innen in eurem Genre so alles malen und zeichnen.
Auf deviantart gibt es eine eigene Rubrik „Stockimages“, in der alle Bilder zur Verwendung freigegeben sind. Die meisten Urheber/innen schreiben ihre Nutzungsregeln direkt unter das Bild, einige haben ihre Regeln auch in ihrem Journal.
Meistens kann man diese Regeln so zusammenfassen:
„Urheber/in muss namentlich erwähnt werden, meistens mit Link auf den deviantart-Account. Die Bilder müssen verändert werden (abgezeichnet, abgemalt oder per Fotobearbeitungsprogramm kreativ verändert werden.“
Oft sind Linearts (digitales Umfahren der Umrisse und die dann als Vorlage für Online-Spiele hochladen) verboten, oft sind sie aber auch erlaubt.

Ihr findet auf deviantart nicht nur eine unglaubliche Vielfalt und Menge an Fotos, sondern auch extrem gute Vorlagen. Die Fotos stammen zum Teil von sehr guten HobbyfotografInnen, zum Teil auch von Profis, die dort den „Ausschuss“ ihrer Fotosessions zur freien Nutzung anbieten.

Und selbst wenn ihr kein einziges Bild von deviantart verwendet – allein das Stöbern in den Bildern von sooo vielen kunstbegeisterten anderen Leuten macht einfach Spaß und Lust darauf, selbst wieder produktiv zu werden.

Eine weitere gute Fotodatenbank ist „Paintmyphoto“.Dort findet ihr eine große Menge Fotos (vor allem auch Tierportraits!), die explizit für andere KünstlerInnen veröffentlicht wurden. Daher ist es natürlich gewollt und erlaubt, sie abzuzeichnen oder abzumalen! Die FotografInnen freuen sich sogar darüber, denn dann hat ihre Arbeit für die Plattform Sinn gemacht.
Auch dort gilt, dass ihr die UrheberInnen immer als Bildquelle angeben müsst.

Natürlich gibt es noch viele, viele, viele andere Bilderdatenbanken im Internet. Am besten gebt ihr einfach einmal „kostenlose lizenzfreie fotos“ in Google ein.
Und wer bereit ist, ein paar Cent oder Euro zu zahlen, kann noch einmal auf die doppelte Menge hochwertiger Fotos zugreifen. Aber alle Bilderdatenbanken hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen (abgesehen davon, dass ich selbst gar nicht viele nutze).

Die eigene Vorlagensammlung verwenden

Am besten habt ihr bei eurer Vorlagensammlung für jede Quelle eigenständige Unterordner. Ich habe alle meine Vorlagen so sortiert, dass ich immer sofort weiß, ob ich eine Vorlage aus einem Ordner frei nutzen kann oder Quellenangaben machen muss bzw. die Quelle nur als Inspiration und Motivation nutzen darf und sie nicht wiedergeben.
Wenn ihr z. B. Bilder von verschiedenen deviant-KünstlerInnen habt, dann beschriftet ihr die Ordner am besten nach der/dem Künstler/in und legt euch in den Ordner eine Text-Datei mit den jeweiligen Stock-Regeln. So habt ihr immer alles gleich im Blick und müsst später nicht mehr darüber nachdenken und vor allem nicht mehr nachrecherchieren, ob ihr das Foto denn nun für das Bild verwenden dürft, für das ihr es gerne nehmen würdet.
Und dann steht der Nutzung euer Vorlagensammlung nichts mehr im Weg.
Seid da einfach kreativ: Nutzt die Vorlagen als Inspirationsgeber, um euch noch einmal Details anzugucken, falls ein Bild von euch noch ein Detail benötigt … Guckt sie durch und genießt die gesammelte Schönheit. Teilt die Fotos, wenn ihr Anfragen bekommt (Achtung, fremde Fotos darf man nicht unbedingt weitergeben!), mit Bekannten …

Schlusswort

Ich hoffe, euch hat dieser Blogartikel beim Lesen ebenso viel Freude bereitet wie mir beim Schreiben.
Wenn ihr eine bestimmte Vorlage sucht, dann könnt ihr mich auch ansprechen: Ich teile meine Vorlagensammlung gerne mit anderen KünstlerInnen!

Und mich würde es sehr freuen, wenn ich euch ein paar nützliche Hinweise für eure eigene Vorlagensammlung geben konnte! Über ein Like & Share würde ich mich ebenfalls sehr freuen. 🙂