Die Bedeutung der Skizze

Was sind Skizzen?

Skizzen sind Zeichnungen, die rasch und ohne tiefergehende Mühe gezeichnet wurden. Sie sind meist sehr rudimentär, gekritzelt und vage gehalten. Normalerweise werden sie innerhalb von wenigen Sekunden bis Minuten angefertigt. Skizzenblöcke sind von vielen Künstler/innen stetige Begleiter.

Auf meiner Homepage findet ihr keine Skizzen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht skizzieren würde. Auf meiner Homepage seht ihr jedoch nur das „Endprodukt“, die ausgearbeiteten, in stundenlanger Arbeit angefertigten Zeichnungen, die soweit von Skizzen entfernt sein sollen wie möglich.

Doch natürlich skizziere ich ebenfalls. Meine Skizzen sind schnell angefertigte, oft sehr kleine Zeichnungen. Rasch hingeworfen und meistens mehr oder weniger „schlecht“.
Skizze eines Haflingers
Ein Beispiel für eine rasche Skizze von einem Haflinger auf einer Alm, ca. Din A5

Denn beim Skizzieren geht es nicht um Perfektion, es geht nicht darum, etwas „richtig“ zu machen oder „hinzubekommen“. Es geht um den Augenblick, um das Festhalten des Moments oder um das Festhalten einer Idee.

Skizzen zum Festhalten einer Idee

Skizzieren kann mit dem Schießen eines Schnappschusses verglichen werden. Und tatsächlich kann in der Praxis durchaus einmal ein Fotoapparat zum „Skizzieren“ verwendet werden. Jedoch haben Skizzen den großen Vorteil, dass sie schon durch uns gefiltert auf das Papier gebracht werden. Ihr seht einen Berge im Dunkeln und ein einzelner Sonnenstrahl iluminiert einen Gipfel? Eine Skizze in einfachen Grautönen ist schnell angefertigt – und hält diesen Moment frisch im Gedächtnis. Wenn ihr das nächste mal diese Skizze seht, werdet ihr euch wieder ähnlich ergriffen fühlen, wie damals in der Situation.
Und aus dieser Ergriffenheit heraus kann Motivation entstehen und zu großartigen Bildern führen.
Meine Bergbilder sind beispielsweise fast alle nach einer kurzen, nur wenige Striche umfassenden Skizze entstanden. Einige wenige hatten gründlicher ausgeführte Zeichnungen zur Vorlage.

Watzmann gezeichnet vom Grünstein aus
Der Watzmann, vom Grünstein aus skizziert

Der Watzmann, gemalt in Acryl
Und die Skizze in ein Acrylbild umgesetzt

Skizzieren könnt ihr nicht nur auf losen Blättern, sondern auch sehr schön in den extra dafür angefertigten Skizzenbüchern, die aus gebundenen, leeren Seiten bestehen. Skizzenbücher können regelrecht die Funktion eines Tagebuches erfüllen. Und die Bilder – anders als Text – rufen sofort die jeweilige Erinnerung wach, sobald ihr sie wieder seht.

Skizzieren um zu Üben

Häufiges Skizzieren, selbst wenn es unachtsam und schnell geschieht, übt das Auge. Die Hände können bereits alles, was ihr zum Zeichnen benötigt. Doch das künstlerische Sehen muss trainiert und geübt werden. Um zu zeichnen, müsst ihr sehen, wie etwas auf dem Papier dargestellt werden muss, nicht, wie es in der Realität ist. Das Skizzieren lässt uns immer wieder hinsehen. Innehalten und etwas genau betrachten und es aus dem Blickwinkel des/der Künstler/in sehen. Dieser Blick ist ein anderer, als der Blick, mit dem man einen geliebten Menschen ansieht. Ein anderer Blick, als der Blick, mit dem man etwas ansieht, was uns abstößt. Der künstlerische Blick wertet nicht. Alles erscheint einer Skizze wert. Und bei jedem Zeichnen wird die Schönheit in Allem sichtbar.

Mit der Zeit – über die Monate und Jahre – verändern sich die Skizzen und Zeichnungen. Die uns eigene Symbole („So sieht ein Pferd aus, was ich zeichne“) verschwinden immer mehr und machen mehr und mehr dem tatsächlich Gesehenem Platz („So sieht das Pferd aus, was ich gerade zeichne“). Wird jede Skizze datiert und aufgehoben, erhaltet ihr eine wunderschöne Zeitleiste eurer künstlerischen Entwicklung.

Werden zum Skizzieren unterschiedliche Techniken verwendet, dann bekommt ihr für die Techniken ein tieferes Verständnis. Ein Regentropfen fällt auf eine Zeichnung und siehe da: Pastellkreiden lassen sich rasch mit Wasser vermalen! Super, wieder etwas gelernt!
Die schnelle Skizze mit einem weichen Bleistift wirkt vollständig anders, als die mit einem harten. Oder als die Skizze mit einer Feder, eilig gezeichnet, voller Kleckse und Kratzer. Und dann ist da die sanfte Silberzeichnung, fast nicht zu sehen, weil das Papier nicht vorbereitet war. Oder das Kind in Blau, weil nur ein Kugelschreiber zur Hand war.
Jedes Schreibmaterial und fast jeder Untergrund kann zum Skizzieren verwendet (oder zweckentfremdet) werden. Es lohnt sich, offen zu sein und nach (euch) neuen Möglichkeiten Ausschau zu halten.

Die Bedeutung der Skizze zusammengefasst

Die Bedeutung der Skizze lässt sich also in einigen Punkten zusammenfassen:

– das Festhalten eines Moments
– das Festhalten einer Idee
– Skizzenbücher als künstlerische Tagebücher
– Übung des künstlerischen Sehens
– Übung der Zeichenfertigkeiten
– eine Dokumentation der Fortschritte
– Experimentiermöglichkeit mit verschiedenen Techniken

Wichtig ist dafür jedoch das regelmäßige Skizzieren. Einmal im Monat 10 Minuten reichen dafür nicht aus – aber sind besser, als nichts.
In dem Sinne: Viel Spaß beim Kritzeln! 🙂